Eine kleine Geschichte zum Athanasianischen Glaubensbekenntnis
Im 4. Jahrhundert tobte ein gewaltiger Streit in der Kirche: Manche lehrten, Jesus Christus sei nicht wahrer Gott, sondern ein geschaffenes Wesen. Einer der schärfsten Gegner dieser Irrlehre war Athanasius von Alexandria. Schon als junger Diakon hatte er auf dem Konzil von Nicäa (325) leidenschaftlich die Gottheit Christi verteidigt. Später wurde er Bischof seiner Heimatstadt.
Athanasius war kein Diplomat, sondern ein Fels. Weil er unbeirrbar an der Wahrheit festhielt, wurde er fünfmal verbannt, insgesamt 17 Jahre lang. Kaiser, Synoden, selbst ganze Kirchenlandschaften waren gegen ihn – doch er blieb treu. Über ihn ging das Wort: „Athanasius contra mundum“ – Athanasius gegen die Welt. Für ihn war klar: Wenn Christus nicht wahrer Gott ist, dann gibt es kein Heil.
Aus dieser Klarheit wuchs das Athanasianische Glaubensbekenntnis (Quicunque vult). Es bekennt in unmissverständlichen Worten die Dreieinigkeit Gottes und die zwei Naturen Christi. Und es sagt auch: Wer gerettet werden will, muss diesen katholischen, das heißt den für alle geltenden und wahren Glauben, festhalten.
Darum ist Athanasius ein Vorbild für uns alle: standhaft im Bekenntnis, furchtlos gegen den Zeitgeist, unbeugsam in der Wahrheit. Ein Heiliger der alten Kirche – einer, der lieber allein gegen die Welt stand, als seinen Herrn zu verleugnen.
Symbolum Quicunque vult
Quicunque vult salvus esse, ante omnia opus est, ut teneat catholicam fidem.
Quam nisi quisque integram inviolatamque servaverit, absque dubio in aeternum peribit.
Est autem fides catholica, ut unum Deum in Trinitate, et Trinitatem in unitate veneremur.
Nec confundentes personas, nec substantiam separantes.
Alia est enim persona Patris, alia Filii, alia Spiritus Sancti.
Sed Patris et Filii et Spiritus Sancti una est divinitas, aequalis gloria, coaeterna maiestas.
Qualis Pater, talis Filius, talis Spiritus Sanctus.
Increatus Pater, increatus Filius, increatus Spiritus Sanctus.
Immensus Pater, immensus Filius, immensus Spiritus Sanctus.
Aeternus Pater, aeternus Filius, aeternus Spiritus Sanctus.
Et tamen non tres aeterni, sed unus aeternus.
Sicut non tres increati, nec tres immensi, sed unus increatus et unus immensus.
Similiter omnipotens Pater, omnipotens Filius, omnipotens Spiritus Sanctus.
Et tamen non tres omnipotentes, sed unus omnipotens.
Ita Deus Pater, Deus Filius, Deus Spiritus Sanctus.
Et tamen non tres Dii, sed unus est Deus.
Ita Dominus Pater, Dominus Filius, Dominus Spiritus Sanctus.
Et tamen non tres Domini, sed unus est Dominus.
Quia sicut singillatim unamquamque personam Deum ac Dominum confiteri, Christiana veritate compellimur:
Ita tres Deos aut Dominos dicere, catholica religione prohibemur.
Pater a nullo est factus, nec creatus, nec genitus.
Filius a Patre solo est, non factus, nec creatus, sed genitus.
Spiritus Sanctus a Patre et Filio, non factus, nec creatus, nec genitus, sed procedens.
Unus ergo Pater, non tres Patres; unus Filius, non tres Filii; unus Spiritus Sanctus, non tres Spiritus Sancti.
Et in hac Trinitate nihil prius aut posterius, nihil maius aut minus: sed totae tres personae coaeternae sibi sunt et coaequales.
Ita ut per omnia, sicut iam supra dictum est, et unitas in Trinitate, et Trinitas in unitate veneranda sit.
Qui vult ergo salvus esse, ita de Trinitate sentiat.
Sed necessarium est ad aeternam salutem, ut incarnationem quoque Domini nostri Iesu Christi fideliter credat.
Est ergo fides recta, ut credamus et confiteamur, quia Dominus noster Iesus Christus Dei Filius, Deus et homo est.
Deus est ex substantia Patris ante saecula genitus, et homo est ex substantia matris in saeculo natus.
Perfectus Deus, perfectus homo: ex anima rationali et humana carne subsistens.
Aequalis Patri secundum divinitatem, minor Patre secundum humanitatem.
Qui licet Deus sit et homo, non duo tamen, sed unus est Christus.
Unus autem, non conversione divinitatis in carnem, sed assumptione humanitatis in Deum.
Unus omnino, non confusione substantiae, sed unitate personae.
Nam sicut anima rationalis et caro unus est homo, ita Deus et homo unus est Christus.
Qui passus est pro salute nostra, descendit ad inferos, tertia die resurrexit a mortuis.
Ascendit ad caelos, sedet ad dexteram Dei Patris omnipotentis.
Inde venturus est iudicare vivos et mortuos.
Ad cuius adventum omnes homines resurgere habent cum corporibus suis, et reddituri sunt de factis propriis rationem.
Et qui bona egerunt, ibunt in vitam aeternam; qui vero mala, in ignem aeternum.
Haec est fides catholica, quam nisi quisque fideliter firmiterque crediderit, salvus esse non poterit.
Das Athanasianische Glaubensbekenntnis
Wer da selig werden will, der muß vor allen Dingen den katholischen Glauben festhalten.
Wer denselben nicht ganz und unversehrt bewahrt, der wird ohne Zweifel ewig verloren sein.
Dies ist aber der katholische Glaube: daß wir den einen Gott in drei Personen und die Dreieinigkeit in der Einheit ehren,
ohne die Personen zu vermischen und das Wesen zu trennen.
Eine andere ist nämlich die Person des Vaters, eine andere die des Sohnes, eine andere die des Heiligen Geistes.
Aber des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes ist eine Gottheit, gleiche Ehre, gleiche ewige Majestät.
Wie der Vater ist, so ist der Sohn, so auch der Heilige Geist.
Unerschaffen ist der Vater, unerschaffen der Sohn, unerschaffen der Heilige Geist.
Unmeßlich ist der Vater, unmeßlich der Sohn, unmeßlich der Heilige Geist.
Ewig ist der Vater, ewig der Sohn, ewig der Heilige Geist.
Und doch sind es nicht drei Ewige, sondern ein Ewiger.
Gleichwie auch nicht drei Unerschaffene, noch drei Unmeßliche, sondern ein Unerschaffener und ein Unmeßlicher.
Ebenso ist allmächtig der Vater, allmächtig der Sohn, allmächtig der Heilige Geist.
Und doch sind es nicht drei Allmächtige, sondern ein Allmächtiger.
Also ist Gott der Vater, Gott der Sohn, Gott der Heilige Geist.
Und doch sind es nicht drei Götter, sondern ein Gott.
Also ist der Vater Herr, der Sohn Herr, der Heilige Geist Herr.
Und doch sind es nicht drei Herren, sondern ein Herr.
Denn gleichwie wir christlicher Wahrheit nach jede Person einzeln als Gott und Herrn bekennen müssen,
so verbietet uns doch der allgemeine Glaube, drei Götter oder drei Herren zu sagen.
Der Vater ist von niemand gemacht, noch geschaffen, noch gezeugt.
Der Sohn ist allein vom Vater, nicht gemacht, noch geschaffen, sondern gezeugt.
Der Heilige Geist ist vom Vater und Sohn, nicht gemacht, noch geschaffen, noch gezeugt, sondern hervorgehend.
Also ist ein Vater, nicht drei Väter; ein Sohn, nicht drei Söhne; ein Heiliger Geist, nicht drei Heilige Geister.
Und in dieser Dreieinigkeit ist nichts vor oder nach, nichts größer oder kleiner, sondern alle drei Personen sind einander ewig und gleich.
Also daß durch alles, wie schon vorhin gesagt ist, sowohl die Einheit in der Dreieinigkeit, als auch die Dreieinigkeit in der Einheit zu verehren ist.
Wer da will selig werden, der muß also von der Dreieinigkeit halten.
Zum ewigen Heil ist es aber auch nötig, daß er aufrichtig an die Menschwerdung unseres Herrn Jesu Christi glaube.
Es ist daher der rechte Glaube, daß wir glauben und bekennen, unser Herr Jesus Christus sei Gottes Sohn, Gott und Mensch.
Gott ist er aus der Substanz des Vaters vor der Welt geboren, und Mensch ist er aus der Substanz der Mutter in der Welt geboren.
Vollkommener Gott, vollkommener Mensch, bestehend aus einer vernünftigen Seele und menschlichem Fleisch.
Gott dem Vater gleich der Gottheit nach, geringer als der Vater der Menschheit nach.
Ob er wohl Gott und Mensch ist, so sind es doch nicht zwei, sondern ein Christus.
Einer zwar, nicht durch Umwandlung der Gottheit in Fleisch, sondern durch Annahme der Menschheit in Gott.
Einer ganz und gar, nicht durch Vermischung des Wesens, sondern durch Einheit der Person.
Denn wie die vernünftige Seele und der Leib ein Mensch ist, also ist Gott und Mensch ein Christus.
Der um unsertwillen gelitten hat, in die Hölle gefahren ist, am dritten Tage von den Toten auferstanden ist.
Aufgefahren gen Himmel, sitzt er zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters.
Von dannen er kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Toten.
Bei dessen Ankunft alle Menschen mit ihren Leibern werden auferstehen, und von ihren eigenen Werken Rechenschaft geben müssen.
Und die Gutes getan haben, werden in das ewige Leben gehen; die aber Böses getan haben, in das ewige Feuer.
Das ist der katholische Glaube; wer denselben nicht treu und fest glaubt, der kann nicht errettet werden.

